Leider mischt sich in diese Aufregung eine Menge Halb- und Unwissen. Zeit also für einen nüchternen Blick auf die Tatsachen.

Was ist passiert?

  • Im Jahr 2015 wurde von einem Professor, Dr. Aleksandr Kogan, der University of Cambridge eine App („thisisyourdigitallife“) entwickelt. User dieser App, nach Facebooks Angaben ca. 270.000, gaben ihr Einverständnis über die Weitergabe von persönlichen Information wie Wohnort und gelikten Artikel. Dazu las die App die öffentlich zugänglichen Informationen der eigenen Freunde aus. Mit diesen Daten konnte der User einen Persönlichkeitstest machen.
  • Diese Daten wurden – entgegen Facebooks Policy – an Cambridge Analytica, die Firma hinter den möglichen Manipulationsversuchen, verkauft.
  • Cambridge Analytica hat mit diesen Daten personalisierte Werbung für verschiedene Zielgruppen in Facebook ausgespielt, um User zur Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten aufzurufen.

Sind meine persönlichen Daten betroffen?

Zuallererst: Du hast die App „thisisyourdigitallife“ höchstwahrscheinlich nicht heruntergeladen. Daher bist du nicht betroffen.

Dann kommt es darauf an: Was sind für dich persönliche Daten? Facebook ist für mich ein öffentlicher Raum, d.h. die Angaben die ich teile, so dass sie meine Freunde sehen können, sind öffentlich. Sprich mein Wohnort (Frankfurt) und der Content den ich mir ansehe (90% Sportvideos, 5% Reisebilder, 5% Posts von Freunden) wären von der App und Cambridge Analytica verarbeitet worden.

Inhalte von persönlichen Chats – und damit die für mich wirklich privaten Informationen - sind nicht weitergegeben worden.

Anders gesagt: Wenn ich meine Praktikanten wahllos auf Userprofile schicke und diese die – je nach Privatsphäreeinstellungen – unterschiedlichen öffentlichen Informationen in Excel sammeln, habe ich die gleiche Datenqualität wie Cambridge Analytica. Zugegeben: Ich würde eine Armee an sehr, sehr fleissigen Praktikanten benötigen, um an 50 Millionen Datensätze zu kommen.

Ist es das erste Mal, dass solche Datensätze für personalisierte Werbung auf Facebook genutzt werden?

Nein. Das ist im Jahr 2018 absolut Standard. Hundebesitzer, Omas zwischen 60 – 80 Jahren, User die sich für bestimmte Events interessieren. Französische Touristen, die gerade in Frankfurt Urlaub machen. Sie alle kann ich in Facebook mit Werbung ansprechen und das auch individualisiert. Die Stichworte heißen hier Look-alike-Audience und Microtargeting. Das Aufsetzen so einer Kampagne dauert in der Praxis je nach Komplexität nur wenige Stunden.

Es ist nicht mal neu, dass individualisierte Werbung im Wahlkampf genutzt wird. Denn schon Barack Obama hat dies für sich genutzt. Aber in einer anderen politischen Wetterlage störte es damals Niemanden.

Wieviel Einfluss hat Cambridge Analytica auf die US-Wahl?

Schwierig zu sagen. Wenn man davon ausgeht, dass Cambridge Analytica die in diesem Artikel kolportierten 12 Mio. US-Dollar komplett für diese Kampagnen eingesetzt werden, dann können sie bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 3€ TKP (Tausenderkontaktpreis) jeden User innerhalb der 50 Millionen Datensätze 80 Kontakte generieren.

Das klingt auf den ersten Blick bombastisch viel – über einen Wahlkampfzeitraum von 6 Monaten wären es 13 Kontakte pro Monat, sprich jeder Facebookuser innerhalb der gesammelten 50 Millionen Datensätze bekommt alle 3 Tage eine 1-3 Sekunden lange Wahlanzeige zu sehen. Da ist der Effekt wahrscheinlich sehr gering, nicht wahr?

Diese 1-3 Sekunden haben logischerweise einen deutlich geringeren Erinnerungswert als ein 30-Sekunden langer. Die Facebookanzeigen sind daher eher das digitale Äquivalent zu den auch hier zu Lande weitverbreiteten Plakatanzeigen.

Wohlgemerkt, die Betonung liegt auf „sehen“. Von der Aufmerksamkeit zur Aktion – sprich aktiven Wahlentscheidung – ist es noch ein langer Weg. Denn sonst hätte ich beispielsweise im Laufe der letzten Jahre eine Menge mehr Handys, Fernflüge und Erwachsenenwindeln online verkauft.

Im Gesamtbild des medialen Feuerwerks im US-Wahlkampfes über TV, Print, Out of Home und anderen Kanälen können diese wenigen Sekunden nur ein ergänzendes Element gewesen sein. Mein Fazit daher: Ja, Cambridge Analytica wird einen gewissen Einfluss gehabt haben. Hat Cambridge Analytica die Wahl für Donald Trumps gewonnen? Klares Nein.

Einen tiefergehenden Blick findet Ihr hier.

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